Regionen

Trinkgeldkultur in Schleswig-Holstein: Ein Blick auf die Großzügigkeit

Felix König12. Juni 20262 Min Lesezeit

In den letzten Wochen hat eine Diskussion über Trinkgeldgewohnheiten in Deutschland, und speziell in Schleswig-Holstein, an Fahrt aufgenommen. Während einige Regionen für ihre Großzügigkeit bekannt sind, fragt man sich oft, wie stark diese Gepflogenheit wirklich von den Menschen in dieser nordischen Region ausgeprägt ist. Ist die Schale, die beim Bezahlvorgang auf den Tisch gelegt wird, wirklich ein Maß für den Wert, den wir jemandem beim Ausführen seiner Arbeit beimessen?

Typischerweise spricht man in einer Region wie Schleswig-Holstein von Trinkgeldern, die in Gaststätten, Cafés und bei anderen Dienstleistungen gewährt werden. Die Schifferstadt Kiel und die Urlaubsorte an der Ostsee sind daran gewöhnt, dass Gäste sowohl von nah und fern zu ihnen strömen. Da könnte man annehmen, dass die Trinkgeldpraxis von einem gewissen Touristenanteil beeinflusst wird. Doch wie verhalten sich die Einheimischen?

Wenn man durch die Straßen von Kiel schlendert, sieht man die Schilder in Cafés, die dem Gast fast schon frech ins Gewissen reden: "Hier wird Trinkgeld gerne gesehen!" Ein kleiner Hinweis, der im Grunde besagt, dass man sich eher an die Gepflogenheiten der großen Städte hält, als an die zurückhaltende Tradition. Vielleicht trägt man hier auch den Stolz auf die norddeutsche Direktheit zur Schau, die nicht das Bedürfnis hat, besonders umständlich zu sein, wenn es ums Trinkgeld geht. Ein Euro für den Kellner oder fünf Prozent des Betrags, das scheint man hier als Minimum zu betrachten.

Man könnte sagen, dass die Schleswig-Holsteiner eine gewisse wirtschaftliche Rationalität an den Tag legen. Schließlich ist es hier nicht unüblich, die Rechnung ohne ein Trinkgeld zu begleichen. Ein Einheimischer hat mir einmal gesagt, dass in anderen deutschen Regionen oft ganz andere Summen im Raum stehen. Wieso sollte man in Schleswig-Holstein mehr geben, wenn die Leistung nicht unbedingt darüber hinausgeht?

Doch auch hier gibt es Ausnahmen. Bei besonderen Anlässen wie einem Jubiläum oder einem romantischen Dinner kann das Trinkgeld durchaus üppiger ausfallen. Manchmal scheint es fast, als wäre die Großzügigkeit umso größer, je spezieler die Situation ist. Die heimliche Hoffnung, vielleicht auch ein wenig auf die eigene Verdienste zu hoffen, ist nicht ganz unberechtigt.

Ein weiterer Aspekt ist die Rolle des Servicepersonals. Hier in Schleswig-Holstein sind viele Kellner und Bedienungen saisonal angestellt, was dazu führen kann, dass die Geduld des Personals mit den Gästen saisonal schwankt. In der Hochsaison, wenn die Touristenströme nach Schleswig-Holstein strömen, könnte die Bereitschaft, ein Trinkgeld zu geben, durchaus ansteigen. Man fragt sich, ob der Kellner vom letzten Jahr mit dem eigenen Tisch heute noch „gut Freund“ ist oder ob man in einer Hochbedienungszeit einfach nur die Rechnung zahlen möchte.

Unabhängig von der Großzügigkeit, die man erwarten könnte, gibt es auch die, die das Trinkgeld ganz ablehnen. Diese Menschen argumentieren, dass die Löhne für Servicekräfte in Deutschland so hoch und fair sind, dass ein Trinkgeld in ihren Augen überflüssig ist. So mag es klischeehaft anmuten, aber die Schifferstadt Kiel hat auch ihre Eigenheiten, die sich in der Trinkgeldpraxis spiegeln.

Abschließend lässt sich sagen, dass in Schleswig-Holstein beim Trinkgeld eine Mischung aus nordeuropäischer Zurückhaltung und dem Wunsch nach Wertschätzung deutlich wird. Ob man nun großzügig oder eher sparsam ist, bleibt dem Einzelnen überlassen, aber die Frage bleibt: Wie viel Wert legt man selbst auf die Anerkennung der Arbeit anderer? Die Antwort ist wahrscheinlich so vielfältig wie die Menschen, die hier leben.

NetzwerkVerwandte Beiträge